Bundesrat billigt Organspendereform – DER SPIEGEL

In Deutschland spenden deutlich weniger Menschen Organe als im europäischen Ausland. Um das zu ändern, sollen die Bundesbürger künftig stärker dafür sensibilisiert werden, konkret über eine Organspende nach dem Tod zu entscheiden. Darauf zielt eine vom Bundestag beschlossene Reform, die der Bundesrat am Freitag passieren ließ.

Demnach sollen alle Bürger mindestens alle zehn Jahre direkt beim Ausweisabholen auf das Thema angesprochen werden – Organentnahmen bleiben aber weiterhin nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt. In Kraft treten sollen die neuen Regeln voraussichtlich 2022.

Wer ab dem Alter von 16 Jahren einen Personalausweis beantragt, ihn verlängert oder sich einen Pass besorgt, soll dann Infomaterial zu Organspenden bekommen. Beim Abholen soll man sich schon vor Ort auf dem Amt mit Ja oder Nein in ein geplantes neues Online-Register eintragen können – aber auch jederzeit später von zu Hause.

Auch in Ausländerbehörden soll es so umgesetzt werden. Hausärzte sollen außerdem auf Wunsch alle zwei Jahre über Organspenden informieren und ergebnisoffen zum Eintragen ins Register ermuntern.

Der Bundestag hatte die erweiterte Entscheidungslösung Mitte Januar ohne sonst übliche Fraktionsvorgaben beschlossen. Sie geht auf die Initiative einer Abgeordnetengruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock und die Linke-Vorsitzende Katja Kipping zurück. Eine andere Gruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach war mit einem Vorstoß gescheitert, wonach alle Bürger automatisch als Organspender gelten sollten – es sei denn, man widerspricht. Diese sogenannte doppelte Widerspruchslösung wurde von 379 Abgeordnete abgelehnt, 292 Parlamentarier unterstützten ihn, drei enthielten sich.

Der Bundesrat bedauerte in einer Entschließung, dass die künftigen Informationspflichten auch für Ausländerbehörden gelten sollen. Angesichts von Sprachbarrieren könne fälschlicherweise der Eindruck einer Verknüpfung zwischen der Organspendebereitschaft und der amtlichen Entscheidung über aufenthaltsrechtliche Anträge erweckt werden. Dies sei aber unbedingt zu vermeiden.

Während in Deutschland auf eine Million Einwohner 11,5 Organspenden kommen, gibt es in Spanien 46,9 Organspender pro eine Million Einwohner. Dort gilt eine Widerspruchslösung, wie Spahn sie vorgeschlagen hatte.

In Deutschland warten derzeit etwa 10.000 Menschen auf ein lebensrettendes Organ. Die meisten von ihnen brauchen eine neue Niere, andere eine Leber, ein Herz oder ein anderes Organ. Im Jahr 2018 sind 901 Menschen auf der Warteliste gestorben.

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