Arktis-Eis schrumpft auf zweitniedrigsten Stand aller Zeiten


Das Timing ist natürlich nur Zufall – aber es passt. Am Mittwochvormittag wird der Uno-Weltklimarat (IPCC) in Monaco seinen neuesten Sonderbericht vorstellen. Bei dem Report geht es um die dramatischen Auswirkungen der globalen Erwärmung auf Weltmeere, Gletscher, Permafrostböden – und das Eis der Arktis und Antarktis.

Zwei Jahre lang hatten Forscher wissenschaftliche Literatur zusammengetragen und ausgewertet. Die abschließende Sitzung der 195 Mitgliedsländer dauerte dann noch einmal 27 Stunden – weil sich dem Vernehmen nach die Delegation aus Saudi-Arabien gegen die Verabschiedung des Berichts sperrte.

Gleichzeitig meldet sich das National Snow and Ice Data Center (NSIDC) in den USA mit dramatischen Neuigkeiten zum Meereis der Arktis zu Wort. Nach Auswertung von Satellitenbildern kommen die Experten zu dem Schluss, dass dessen Ausdehnung den zweitniedrigsten Stand seit dem Start der Satellitenaufzeichnungen vor rund 40 Jahren erreicht hat.

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Die Eisfläche schrumpfte demnach über den Sommer auf nur noch 4,15 Millionen Quadratkilometer. Ähnlich schlechte Werte hatte sie 2007 und 2016 erreicht, noch dramatischer war die Lage nur 2012. Damals waren am Ende der warmen Monate sogar nur noch 3,41 Millionen Quadratkilometer Eis übrig.

Forscher vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung und der Universität Bremen haben für die minimale Meereisausdehnung in diesem Jahr sogar noch etwas niedrigere Werte errechnet. Sie kommen auf rund 3,9 Millionen Quadratkilometer. Die Differenz entsteht durch die unterschiedliche Auflösung der Satellitendaten und verschiedene Analysemethoden. Über den arktischen Sommer hatte es zunächst so ausgesehen, als würde in diesem Jahr sogar der Negativrekord von 2012 erreicht werden.


Eine Öffnung im arktischen Meereis nördlich von Grönland


NASA

Eine Öffnung im arktischen Meereis nördlich von Grönland

Klar ist: Das langjährige Mittel der Jahre 1979 bis 2010 liegt bei 6,33 Millionen Quadratkilometern. „Das Minimum in diesem Jahr zeigt, dass es keinen Hinweis darauf gibt, dass sich die Meereisbedeckung erholt“, so Claire Parkinson vom Goddard Space Flight Center der US-Weltraumbehörde in Greenbelt (US-Bundesstaat Maryland). „Der Langfristtrend bei der Ausdehnung des arktischen Eises geht definitiv nach unten.“

Mehr dunkle Wasseroberfläche zu sehen

In den dunklen und kalten Wintermonaten wächst die Eisausdehnung nun wieder, bis die Schollen im kommenden Frühjahr wieder beginnen zu schmelzen. Eigentlich entsteht das Meereis im hohen Norden vor der Küste von Russland und driftet dann über den Nordpol. Das passiert aber immer seltener.

Durch die schwindende Eisdecke kann der Arktische Ozean im Sommer mehr Wärme aufnehmen – weil mehr dunkle Wasseroberfläche dort zu sehen ist, wo vorher helle Eisschollen lagen. Dadurch wird mehr von der Sonne kommende Energie aufgenommen statt wie bisher zurückgestrahlt zu werden.

Die Arktis erwärmt sich deutlich stärker als andere Regionen der Welt. Das hat viele Konsequenzen, unter anderem für die Ökosysteme der Region. Forscher hatten zuletzt berichtet, dass sich außerdem im Inneren des grönländischen Eisschilds nachweisbare Veränderungen vollziehen. Diese sorgten dafür, dass mehr Schmelzwasser von der Arktisinsel in die umliegenden Meeresgebiete gelangt.

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Unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts ist Ende vergangener Woche die internationale Arktis-Expedition „Mosaic“ gestartet. Dafür wird der Eisbrecher „Polarstern“ ein Jahr im Eis der Arktis eingefroren. Wegen der geringen Meereisbedeckung zum Start der Expedition rechnen die Forscher damit, dass sie Schwierigkeiten haben könnten, eine genügend große Eisscholle zu finden, an der das Schiff während der Drift über den Pol festgemacht wird.

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