Invasive Arten: Amerikas Kampf gegen den Karpfen

„It’s better to be safe than sorry“ – übersetzen könnte man diese englische Redewendung vielleicht mit „Vorsorge ist besser als Nachsorge“. Und eine aktuelle Meldung aus dem US-Bundesstaat Kentucky belegt eindrücklich, was damit gemeint sein kann. Es geht um ein Beispiel im Kampf gegen invasive Arten und die Frage, wie langwierig und teuer dieser sein kann, wenn sich eine Spezies einmal großflächig ausgebreitet hat.

Mit dem Zurückdrängen invasiver Arten sind Umweltbehörden in vielen Teilen der Welt beschäftigt, auch in Deutschland und Europa. Dabei geht es normalerweise um den Naturschutz: Gebietsfremden Spezies – das können Tiere ebenso sein wie Pflanzen – fehlen in einer neuen Umgebung oft die natürlichen Feinde, wodurch sie sich ungehindert ausbreiten und die existierenden Arten verdrängen und womöglich gar ausrotten können.

Haben sich die Neuankömmlinge einmal ausgebreitet, ist es kompliziert, sie zurückzudrängen. Mit teuren Großaktionen versuchen Verantwortliche immer wieder, etwas mehr Wettbewerbsgerechtigkeit herzustellen – indem sie die eingewanderten Exemplare so weit wie möglich töten oder in weniger problematische Habitate umsetzen.

Auch in Golden Pond, Kentucky, passiert so etwas dieser Tage: Fischer sind dort mit einem halben Dutzend Booten auf einem See unterwegs. Mit der Methode der Elektrofischerei rücken sie dabei einer Population aus Asien eingewanderter Karpfen zu Leibe. Das heißt, sie geben elektrischen Strom ins Wasser ab, der die Tiere an die Oberfläche treiben lässt, wo sie mit mehr als 300 Meter langen Netzen eingesammelt werden können.

Karpfen wurden einst zum Teil gezielt ausgesetzt

Die US-Behörden kämpfen seit rund 15 Jahren gegen insgesamt vier fremde Karpfenarten, die mittlerweile in vielen Gewässern zu Hause sind: den Schwarzen Amur, den Gras- und Silberkarpfen sowie den Marmorkarpfen. Einst, in den Sechzigern und Siebzigern, waren ihre Dienste gefragt: Sie wurden zum Teil gezielt ausgesetzt, um verschmutzte Gewässer von Algen und Parasiten zu reinigen. Zum Beispiel durch Überflutungen gelangten sie aber auch in Gebiete, in denen sie nicht sein sollten – und breiteten sich massiv aus, weil ihnen die Feinde fehlten.

Bemühungen, die Populationen zu kontrollieren, kamen nur langsam voran – auch weil Fischer erst die richtigen Fangtechniken für die teils bis zu 50 Kilogramm schweren Fische herausfinden mussten. Inzwischen haben sie aber Erfolg: Allein in zwei Stauseen in Kentucky konnten sie im vergangenen Jahr 2700 Tonnen der Karpfen fangen. (Zur Einordnung: Die deutschen Binnenfischer produzieren in Teichen und Netzgehegen pro Jahr rund 20.000 Tonnen Fisch).

Wie viel bei der Fischaktion von Golden Pond zusammengekommen ist, steht noch nicht fest. Die Behörden hoffen auf 450 Tonnen. US-Binnenfischer haben in den vergangenen Jahren allerdings lernen müssen, dass die asiatischen Karpfenarten zwar in China eine beliebte Ergänzung des Speiseplans sind. Allerdings wollen Kunden die Tiere frisch kaufen, nicht gefroren. Mit dem Export ließ sich also kaum Geld verdienen. In den USA selbst ist die Begeisterung für den Fisch auch überschaubar, unter anderem weil er über viele Gräten verfügt.

Kosten könnten auf 1,5 Milliarden Euro steigen

Experten zweifeln daran, ob sich die Tiere komplett zurückdrängen lassen: Sie wären schon zufrieden, wenn die Karpfen ihr Revier nicht immer weiter nach Norden ausdehnen würden. Es geht auch darum, die Binnenfischerei in den Großen Seen zu schützen. Hier ist ein Wirtschaftszweig mit einem Umsatz von sieben Milliarden Dollar pro Jahr bedroht – und zumindest Graskarpfen sind in drei der Seen bereits nachgewiesen worden.

Die Nachrichtenagentur AP hat ausgerechnet, dass die Bekämpfung der Karpfen in den USA seit dem Jahr 2004 bisher 607 Millionen Dollar gekostet hat. Bis zum Ende des Jahrzehnts dürfte der Betrag der Schätzung zufolge auf 1,5 Milliarden Dollar steigen. Das ist den Angaben zufolge mehr als fünf Mal so viel wie ursprünglich veranschlagt.

Icon: Der Spiegel

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