USA: Hope Hicks wieder im Weißen Haus

Für ehemalige Mitglieder des Trump-Universums galt bislang der alte Boxer-Grundsatz: „Sie kommen niemals wieder“. Dass Hope Hicks zurückkommen darf, spricht für die Bedeutung, die die 31-jährige für den Präsidenten hat. Offiziell arbeitet sie jetzt Trumps Schwiegersohn Jared Kushner zu. Aber Hicks Rolle war immer größer als ihre Jobbeschreibung.

Sie war die Frau, die „immer zu sehen, aber nie zu hören“ war, wie die „New York Times“ schrieb. Das galt auch dann noch, als sie im August 2017 die Rolle der Kommunikationschefin im Weißen Haus übernahm. Anders als ihre drei Vorgänger Anthony Scaramucci, Sean Spicer und Mike Dubke interpretierte sie ihre Aufgabe radikal neu: Sie kommunizierte nicht, jedenfalls nicht nach außen.

„Sie hat soviel Erfahrung wie eine Kaffeetasse“

Hicks wusste aus Erfahrung, dass es nur einen gab, der Donald Trump erklären konnte, und das war Trump selbst. Ihre Expertise lag ohnehin nicht im Bereich der Politik. Auf einer seiner Großveranstaltungen stellte Trump ihren Eintritt in sein Wahlkampfteam einmal so dar: „Ich habe sie gefragt, ob sie etwas von Politik versteht? Sie hat geantwortet: absolut nichts.“ Laut Trumps früherem Wahlkampfmanager Corey Lewandowski sagte Trump nach seinem Wahlsieg über Hicks: „Sie hat soviel Erfahrung wie eine Kaffeetasse.“

Dass sie wie er politisch eine Außenstehende war, sprach aus Trumps Sicht nicht gegen Hicks, sondern für sie. Hicks gehört zu den Personen in Trumps Umfeld, die ihn aus seinem alten in das neue Leben begleitet haben. Als PR-Beraterin für die Modefirma seiner Tochter Ivanka und für seine eigene Firma gewann sie das Vertrauen des Immobilienmoguls. Das zählte mehr als jede Sachkenntnis.

Trump bezeichnete Hicks als „weitere Tochter“

In ihrer Zeit im Weißen Haus stand Hicks Trump so nahe wie niemand außerhalb seiner Familie. Der Präsident bezeichnete sie als „weitere Tochter“. Hicks hatte als eine der wenigen Mitarbeiter einen direkten Zugang zu Trump. Ihr Schreibtisch stand in Hörweite des Oval Office. Wer zu Trump wollte, musste an Hicks vorbei. Bei öffentlichen Auftritten war sie meist an seiner Seite.

Ihre Bedeutung für den Präsidenten war vielschichtig. Sie war seine strategische Beraterin und sein Mädchen für alles. In einem Bericht des Magazin „New Yorker“ hieß es, wenn der Name eines Senators oder Journalisten in einem Gespräch mit Trump gefallen sei, habe dieser gefragt: „Mögen wir ihn?“ Hicks habe dann die Antwort gewusst.

Hicks soll Trumps Anzüge aufgebügelt haben

Auf Reisen in der Präsidentenmaschine habe sie, so berichtet es Lewandowski, gelegentlich Trumps Anzüge aufgebügelt. Hicks gab Trump emotionalen Halt. Der Präsident wird von vielen, die mit gearbeitet haben, als misstrauischer Mann beschrieben, selbstverliebt und unsicher zugleich. Hicks vermittelte ihm ein Gefühl der Vertrautheit und Sicherheit. Auf das ehemalige Modell mit einem Uni-Abschluss in Anglistik konnte er sich verlassen. Der Präsident habe „tiefen Respekt vor ihr“, er komme großartig mir ihr aus und höre ihr zu, sagte Trumps Tochter Ivanka der „Washington Post.“

In seinem Enthüllungsbuch „Fire and Fury“ schrieb der Journalist Michael Wolff, Trump habe eine Reihe von persönlichen Ticks und Bedürfnissen, um die man sich kümmern müsse. Trump habe einem Freund anvertraut, dass Frauen dafür ein besseres Gespür hätten als Männer. Auch das erklärt seine Nähe zu Hicks.

Nur kleine Notlügen für den Präsidenten?

Und sie war loyal. Das ist eine Eigenschaft, die Trump über alle anderen stellt, auch wenn er sie selten erwidert. Neun Stunden lang musste sie während der Russland-Ermittlungen vor dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses aussagen. Sie weigerte sich, 155 Fragen der Abgeordneten zu beantworten. Nur ein Bekenntnis erlaubte sie sich: Sie erzähle gelegentlich „white lies“, kleine Notlügen, für den Präsidenten.

Ob das immer nur kleine Lügen waren, ist fraglich. Hicks hatte bei ihrer Vernehmung vor dem Justizausschuss unter Eid erklärt, sie sei niemals dabei gewesen, als Trump und sein damaliger Anwalt Michael Cohen im Oktober 2016, kurz vor der Präsidentenwahl, die Zahlung von Schweigegeld an die frühere Pornodarstellerin Stormy Daniels besprochen hätten. Später veröffentliche Dokumente zeigen aber, dass Hicks unmittelbar vor den Schweigegeldverhandlungen mit Trump und Cohen und dann noch einmal mit Cohen allein telefoniert hatte. Hicks bestritt, gelogen zu haben.

Die Gründe für ihren einstigen Wechsel aus dem Weißen Haus in die Privatwirtschaft sind unklar. Sicher ist nur, dass sie anders als andere Vertraute des Präsidenten nicht im Unfrieden ging. Trump begleitete sie beim Abschied sogar persönlich, um seine Verbundenheit zu demonstrieren.

Ihre Rückkehr kurz nach dem Ende des Impeachmentprozesses und vor dem Beginn des Wahlkampfes zeigt, dass Trump wieder Leute um sich scharen will, in deren Gegenwart er sich wohlfühlt und denen er vollkommen vertraut. Hicks wird offiziell den Titel einer „Beraterin des Präsidenten“ führen. Ihre bisherige Beziehung zu Trump lässt vermuten, dass das nur eine unzureichende Beschreibung ihrer wahren Bedeutung ist.

Icon: Der Spiegel

Vielleicht gefällt dir auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.